Furtwangler, RAI, 1953 - Wagner : Das Rheingold


Piero Buscaroli :

« L'ultime saison de Furtwängler possède une majesté tragique et monumentale.

Depuis les cathédrales de l'art détruit, depuis l'âme nationale anéantie, le dernier chant plane.

L'une après l'autre, toutes les immenses formes d'une civilisation artistique se lèvent de nouveau dans la plén...itude de leur esprit, avant la nuit... »

FROH
(der der Brücke mit der ausgesireckten
Hand den Weg über das Tal
angewiesen, zu den Göttern)

Zur Burg führt die Brücke,
leicht, doch fest eurem Fuss:
beschreitet kühn
ihren schrecklosen Pfad!

FROH

The bridge leads to the fortress,
light but firm beneath your feet:
boldly tread
its terrorless path!

(Wotan und die andern Götter sind sprachlos in den prächtigen Anblick verloren)  
WOTAN

Abendlich strahlt
der Sonne Auge;
in prächtiger Glut
prangt glänzend die Burg.
In des Morgens Scheine
mutig erschimmernd,
lag sie herrenlos,
hehr verlockend vor mir.
Von Morgen bis Abend,
in Müh' und Angst,
nicht wonnig ward sie gewonnen!
Es naht die Nacht:
vor ihrem Neid
biete sie Bergung nun.

(wie von einem grossen Gedanken
ergriffen, sehr entschlossen)

So grüss' ich die Burg,
sicher vor Bang' und Grau'n!

(Er wendet sich feierlich zu Fricka)

Folge mir, Frau:
in Walhall wohne mit mir!

WOTAN

The sun's eye sheds
its evening beams;
in its glorious gleam
the castle shines in splendour.
In the radiance of the morning
it glittered proudly
but stood before me tenantless,
grand and inviting.
From morn to eve,
in care and anxiety,
not lightly it was won!
Night draws on;
from its envy
it now offers shelter.

Thus I salute the fortress,
safe from terror and dread.

Wife, follow me
and dwell with me in Valhalla!

FRICKA

Was deutet der Name?
Nie, dünkt mich, hört' ich ihn nennen.

FRICKA

What means the name?
Never have I heard it before, I think.

WOTAN

Was, mächtig der Furcht,
mein Mut mir erfand,
wenn siegend es lebt,
leg' es den Sinn dir dar!

(Er fasst Fricka an der Hand und
schreitet mit ihr langsam der Brücke zu;
Froh, Freia und Donner folgen)

WOTAN

What my courage found for me,
mastering fear,
if it lives on victorious
will make its meaning plain.

LOGE
(im Vordergrunde verharrend
und den Göttern nachblickend)

Ihrem Ende eilen sie zu,
die so stark in Bestehen sich wähnen.
Fast schäm' ich mich,
mit ihnen zu schaffen;
zur leckenden Lohe
mich wieder zu wandeln,
spür' ich lockende Lust:
sie aufzuzehren,
die einst mich gezähmt,
statt mit den Blinden
blöd zu vergehn,
und wären es göttlichste Götter!
Nicht dumm dünkte mich das!
Bedenken will ich's:
wer weiss, was ich tu'!

(Er geht, um sich den Göttern
in nachlässiger Haltung anzuschliessen)

LOGE

They hasten to their end,
though they think themselves strong and enduring.
I am almost aschamed
to share their doings;
my fancy lures me
to transform myself
back into flickering flames.
To burn them
who once tamed me,
rather than foolishly end
with the blind,
even though they be the most godlike gods,
does not seem stupid to me.
I'll think it over:
who knows what I will do?

DIE DREI RHEINTÖCHTER
(in der Tiefe des Tales, unsicktbar)

Rheingold! Rheingold!
Reines Gold!
Wie lauter und hell
leuchtest hold du uns!
Um dich, du klares,
wir nun klagen:
gebt uns das Gold!
O gebt uns das reine zurück!

THE THREE RHINEMAIDENS

Rhinegold! Rhinegold!
Purest gold!
How clear and bright
you once shone on us!
For your lustre
we now lament!
Give us the gold!
O give us its glory again!

WOTAN
(im Begriff, den Fuss auf die Brücke
zu setzen, hält an und wendet sich um)

Welch' Klagen klingt zu mir her?

WOTAN

What lamenting assails me here?

LOGE
(späht in das Tal hinab)

Des Rheines Kinder
beklagen des Goldes Raub!

LOGE

The children of the Rhine
lament their looted gold.

WOTAN

Verwünschte Nicker!

(zu Loge)

Wehre ihrem Geneck!

WOTAN

Accursed nymphs!

(to Loge)

Stop them annoying us!

LOGE
(in das Tal hinabrufend)

Ihr da im Wasser,
was weint ihr herauf?
Hört, was Wotan euch wünscht!
Glänzt nicht mehr
euch Mädchen das Gold,
in der Götter neuem Glanze
sonnt euch selig fortan!

LOGE

You there in the water,
why wail to us?
Hear what Wotan wills for you.
No more gleams
the gold on you maidens:
henceforth bask in bliss
in the gods' new radiance!

(Die Götter lachen und beschreiten mit dem Folgenden sie Brücke)  
DIE DREI RHEINTÖCHTER

Rheingold! Rheingold!
Reines Gold!
O leuchtete noch
in der Tiefe dein laut'rer Tand!
Traulich und treu
ist's nur in der Tiefe:
falsch und feig
ist, was dort oben sich freut!

THE THREE RHINEMAIDENS

Rhinegold! Rhinegold!
Purest gold!
If but your bright gleam
still glittered in the deep!
Now only in the depths is there
tenderness and truth:
false and faint-hearted
are those who revel above!

(Während die Götter auf der Brücke der Burg zuschreiten, fällt der Vorhang)  

Der Ring des Nibelungen
RAI Rome Orchestra, Wilhelm Furtwangler
Recorded October 26, 1953

Cast :

Wotan: Ferdinand Frantz
Donner: Alfred Poell
Froh: Lorenz Fehenberger
Loge: Wolfgang Windgassen
Fricka: Ira Malaniuk
Freia: Elisabeth Grummer
Erda: Ruth Siewert
Alberich: Gustav Neidlinger
Mime: Julius Patzak
Fasolt: Josef Greindl
Fafner: Gottlob Frick
Woglinde: Sena Jurinac
Wellgunde: Magda Gabory
Flosshilde: Hilde Rossl-Majdan