Lisa della Casa & Dietrich Fischer-Dieskau : Arabella [Richard Strauss]
MANDRYKA
Ich habe eine Frau gehabt, sehr schön, sehr engelsgut.
Sie ist zwei Jahre nur bei mir geblieben. Dann hat der
Herrgott sie zu sich gerufen schnell. Zu jung war ich
und noch nicht gut genug für solchen Engel.
ARABELLA
Ist es das, was mein Vater mir erzählen sollte?
MANDRYKA (sehr ernst und schwer)
Verzeihen Sie, ich bin ein halber Bauer,
bei mir geht alles langsam, aber stark.
(wie mit plötzlichen Entschluß)
Sie sind schön, Arabella – Ihr schönes Gesicht –
auch auf dem Bild verbrennt es schon die Seele!
ARABELLA (mit einem Stirnrunzeln)
Wie kommt man eigentlich da drunten in Slawonien
zu einem Bild von mir?
MANDRYKA
Wie man zu einem Bild – das ist ja gleich! –
So schön sind Sie – eine Gewalt ist in Ihren Zügen,
sich einzudrücken in die Seele wie weiches Wachs!
über den einfachen Menschen, den Felder und Wälder
umgeben, ist eine solche Gewalt sehr groß, und er
wird wie ein Träumer, wie ein Besessener wird er, und
er faßt den Entschluß mit der Seele, einen ganzen
Entschluß, und wie er entschlossen ist, so muß er
handeln!
(Arabella erschrickt vor seiner Heftigkeit, steht auf.)
MANDRYKA
Gräfin, ich habe vergessen, wie anderswo die Welt ist.
(Steht auf)
Hier sind nicht meine Wälder und Felder,
Sie müssen verzeihen meine unschicklichen Reden,
womit ich Sie hind’re am Tanzen.
LAMORAL (kommt von rückwärts zu Arabella)
Darf ich jetzt stören und um einen Walzer bitten?
ARABELLA
Nein – später, Lamoral, ich möcht’ mit dem Herrn da
noch ein biss’l reden, wenn er – vielleicht –
sich wieder niedersetzen wird.
(Lamoral verneigt sich und geht.)
ARABELLA
Sie wollen mich heiraten, sagt mein Vater.
Ja, haben Sie denn eine Ahnung, wer wir sind?
Wir sind nicht grad’ sehr viel nach dem Maß
dieser Welt – wir laufen halt so mit
als etwas zweifelhafte Existenzen.
MANDRYKA
Ihren Stammbaum, Arabella,
den tragen Sie in Ihrem Gesicht geschrieben!
Und wenn Ihnen genug ist, über einen zu gebieten,
der selbst wieder gebietet über viele,
so kommen Sie mit mir und seien die Herrin.
Sie werden Pfauen weiden auf seid’nem Boden,
und das wird nicht geschehen, daß sich jemand
dünkt über lhnen, es sei denn
der König und Kaiser und seine Kaiserin! –
Aber sonst niemand!
ARABELLA
Der Richtige – so hab’ ich still zu mir gesagt,
der Richtige, wenn’s einen gibt für mich,
der wird auf einmal da sein, so hab’ ich gesagt,
und wird mich anschaun und ich ihn,
und keine Winkelzüge werden sein und keine Fragen,
nein, alles heil und offen, wie ein lichter Fluß,
auf den die Sonne blitzt!
