WAGNER - LASS SEH'N OB MEISTER SACHS ZU HAUS - Die Meistersinger von Nürnberg - FRITZ REINER


Fritz Reiner, Paul Schoffer, Hans Hopf, Richard Holm, Herbert Janssen

Zweite Szene

(Pogner und Eva, vom Spaziergang heimkehrend, die Tochter leicht am Arme des Vaters eingehängt, sind schweigsam die Gasse heraufgekommen.)

Pogner (noch auf der Gasse, durch eine Klinze im Fensterladen von Sachs' Werkstatt spähend):

Laß seh'n, ob Nachbar Sachs zu Haus?

Gern spräch' ich ihn. Trät' ich wohl ein?

(David kommt mit Licht aus der Kammer, setzt sich damit an den Werktisch am Fenster und macht sich über die Arbeit her.)

Eva (spähend):

Er scheint daheim:

kommt Licht heraus.

Pogner:

Tu ich's? Zu was doch? - Besser, nein!

(Er wendet sich ab.)

Will einer Selt'nes wagen,

was ließ' er sich dann sagen? - -

(Er sinnt nach.)

War er's nicht, der meint', ich ging' zu weit?

Und blieb ich nicht im Geleise,

war's nicht auf seine Weise?

Doch war's vielleicht auch - Eitelkeit?

(Er wendet sich zu Eva.)

Und du, mein Kind, du sagst mir nichts?

Eva:

Ein folgsam Kind, gefragt nur spricht's.

Pogner:

Wie klug! Wie gut! - Komm, setz' dich hier

ein Weil' noch auf die Bank zu mir.

(Er setzt sich auf die Steinbank unter der Linde.)

Eva:

Wird's nicht zu kühl?

‘s war heut' gar schwül.

Pogner:

Nicht doch, ‘s ist mild und labend; gar lieblich lind der Abend.

(Eva setzt sich zögernd und beklommen Pogner zur Seite.)

Das deutet auf den schönsten Tag,

der morgen soll erscheinen.

o Kind, sagt dir kein Herzensschlag,

welch Glück dich morgen treffen mag,

wenn Nüremberg, die ganze Stadt

mit Bürgern und Gemeinen,

mit Zünften, Volk und hohem Rat,

vor dir sich soll vereinen, d

aß du den Preis, das edle Reis,

erteilest als Gemahl

dem Meister deiner Wahl?

Eva:

Lieb' Vater, muß es ein Meister sein?

Pogner:

Hör' wohl:

ein Meister deiner Wahl.

(Magdalene erscheint an der Tür und winkt Eva.)

Eva (zerstreut):

Ja - meiner Wahl! Doch tritt nur ein -

(Laut zu Magdalene gewandt.)

Gleich, Lene, gleich! -zum Abendmahl.

(Sie steht auf.)

Pogner (ärgerlich aufstehend):

‘s gibt doch keinen Gast?

Eva (wie zuvor):

Wohl den Junker?

Pogner (verwirrt):

Wieso?

Eva:

Sahst ihn heut' nicht?

Pogner (halb für sich nachdenklich zerstreut):

Ward sein nicht froh. -

(Sich zusammennehmend.) Nicht doch! Was denn?

(Sich vor die Stirn klopfend.) Ei, werd ich dumm?

Eva:

Lieb' Väterchen, komm! Geh', kleid' dich um!

Pogner (während er ins Haus vorangeht):

Hm! - Was geht mir im Kopf doch ,rum?

Magdalene (heimlich zu Eva):

Hast was heraus?

Eva (ebenso):

Blieb still und stumm.

Magdalene:

Sprach David:

meint', er habe vertan.

Eva (erschrocken):

Der Ritter! Hilf Gott, was fing' ich an?

Ach, Lene, die Angst! Wo was erfahren?

Magdalene:

Vielleicht vom Sachs?

Eva (heiter):

Ach, der hat mich lieb! Gewiß, ich geh' hin.

Magdalene:

Laß drin nichts gewahren!

Der Vater merkt' es, wenn man jetzt blieb'.

Nach demMahl:

dann hab ich dir noch was zu sagen,

(im Abgehen auf der Treppe)

was jemand geheim mir aufgetragen.

Eva (sich umwendend):

Wer denn? Der Junker?

Magdalene:

Nichts da! Nein, Beckmesser!

Eva:

Das mag was Rechtes sein!

(Sie geht in das Haus, Magdalene folgt ihr.)